Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB)
Definition & Kontext
Ein Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) betreibt, wartet und erweitert das Höchstspannungsnetz. Dieses Netz transportiert große Strommengen über weite Entfernungen und verbindet Kraftwerke, Regionen, Verteilnetze und große Verbraucher. ÜNB sorgen dafür, dass das Gesamtsystem stabil bleibt. Dazu gehören unter anderem die Stabilisierung der Netzfrequenz, die Koordination von Engpassmaßnahmen und die Beschaffung bzw. Aktivierung von Regelreserven.ÜNB aktivieren somit Systemdienstleistungen; Flexibilität aus Anlagen wird über ihre Prozesse (Regelleistung, Engpassmanagement) systemrelevant und vergütbar.
Für Industrie und Prosumern ist außerdem wichtig: ÜNB sind in ihrer Regelzone die zentrale Stelle für die Bilanzkreisabrechnung. Wenn geplante und tatsächliche Energiemengen auseinanderlaufen, entstehen Abweichungen, die über Ausgleichsenergie abgerechnet werden.
In Deutschland gibt es vier ÜNB mit jeweils eigener Regelzone:
- 50Hertz
- Amprion
- TenneT
- TransnetBW
Beispiel: Ein Industriebetrieb weicht vom gemeldeten Fahrplan ab. Die Abweichung wird in der Bilanzkreisabrechnung der Regelzone als Ausgleichsenergie bewertet und abgerechnet.
Bezug zu verwandten Themen
- Ausgleichsenergie: ÜNB stellen den bilanziellen Ausgleich sicher und rechnen Abweichungen ab.
- Bilanzkreis: ÜNB übernehmen regelzonenbezogen die Bilanzkreiskoordination und Abrechnung.
- Dispatch & Redispatch 2.0: ÜNB koordinieren Maßnahmen zur Vermeidung von Netzengpässen.
- Regelleistung: ÜNB beschaffen und aktivieren Regelreserven zur Frequenzstabilität.
- Verteilnetzbetreiber (VNB): ÜNB übergeben Stromflüsse an Verteilnetze und koordinieren systemweit mit ihnen.