Merit Order (Strompreise)
Definition & Kontext
Die Merit Order beschreibt ein Grundprinzip der Preisbildung im Stromgroßhandel. Erzeugungsanlagen werden nach ihren variablen Grenzkosten sortiert: Zuerst kommen Anlagen mit niedrigen Kosten, danach teurere. Um die Nachfrage in einer Stunde zu decken, werden so lange Anlagen „hinzugenommen“, bis genug Strom verfügbar ist.
Der Marktpreis entsteht durch die zuletzt noch benötigte Anlage – also die teuerste Anlage, die in dieser Stunde noch gebraucht wird. Verschiebt sich der Erzeugungsmix oder die Nachfrage, verschiebt sich auch diese „preisbestimmende“ Anlage: Viel Wind und Sonne kann teure Anlagen verdrängen und Preise senken. Bei wenig Wind und Sonne oder hoher Nachfrage werden häufiger teurere Anlagen benötigt, und die Preise steigen oft.
Wenn Wind- und Photovoltaikanlagen mit sehr niedrigen Grenzkosten teurere Anlagen verdrängen und dadurch das Preisniveau sinkt, nennt man das Merit-Order-Effekt.Flexibilität nutzt Merit-Order-Effekte, indem Verbrauch und Einspeisung an Preisspitzen und Preistäler angepasst werden, statt „blind“ zu fahren.
Beispiel: An einem wind- und sonnenreichen Tag wird weniger Gasstrom benötigt – die preisbestimmende Anlage ist oft günstiger, und der Marktpreis fällt.
Bezug zu verwandten Themen
- Spotmarkt: Spotpreise zeigen die Merit-Order-Logik besonders direkt, weil sie je Zeitscheibe gebildet werden.
- Day-Ahead-Handel: Hier werden Preise für den Folgetag je Stunde oder Viertelstunde festgelegt, oft geprägt durch Grenzkosten.
- Batteriespeicher: Speicher nutzen Preisunterschiede zwischen Zeiten, die u. a. aus der Merit Order entstehen.
- Lastmanagement: Verlagerung von Verbrauch kann Nachfrage in teuren Stunden reduzieren.
- Arbitrage: Nutzt Preisunterschiede zwischen Zeiten oder Märkten, die durch Angebot/Nachfrage und Merit Order entstehen können.