Systemdienstleistungen (SDL) / Netzdienlichkeit
Systemdienstleistungen (SDL) sind Leistungen, die über die reine Energielieferung hinausgehen und das Stromsystem stabil, sicher und qualitativ einwandfrei halten – zum Beispiel Frequenzhaltung, Engpassmanagement oder Spannungsqualität.
Systemdienstleistungen (SDL) sind alle technischen und operativen Leistungen, die notwendig sind, damit das Stromnetz zuverlässig funktioniert. Sie sichern Stabilität, Versorgungsqualität und Engpassfreiheit – unabhängig davon, wie viel Energie gehandelt oder verbraucht wird. Typische SDL sind unter anderem Frequenzhaltung (z. B. Regelleistung), Spannungshaltung, Schwarzstartfähigkeit, Engpassmanagement (Redispatch) und Maßnahmen zur Sicherung der Power Quality (Spannungsqualität).
Netzdienlichkeit beschreibt in diesem Kontext, wie stark eine Anlage oder ein Betriebsmodell zur Systemstabilität beiträgt. Eine netzdienliche Flexibilität wird so betrieben, dass sie nicht nur eigene Kosten optimiert, sondern auch das Netz unterstützt – zum Beispiel, indem sie Lasten aus kritischen Stunden herausnimmt, Engpässe entschärft oder Frequenzabweichungen dämpft.
Für Flexibilität ist SDL der „Wertstapel":
- Stabilität: Flexible Anlagen können Regelleistung bereitstellen und damit direkt zur Frequenzhaltung beitragen.
- Engpässe: Durch lokal gezielte Fahrweisen (z. B. Redispatch, Peak-Shaving am Netzanschluss) helfen sie, Netzengpässe zu vermeiden oder zu entschärfen.
- Qualität: Geeignete Betriebsweisen und leistungselektronische Komponenten können Power-Quality-Probleme reduzieren, statt sie zu verschärfen.
Flexibilitäts-Projekte sollten daher nicht nur auf Stromkosten und Erlöse schauen, sondern auch auf ihre SDL- und Netzdienlichkeitswirkung: Je besser sie Systemdienlichkeit nachweisen, desto eher werden sie regulatorisch und marktlich anerkannt oder vergütet.Beispiel: Ein Industriekunde betreibt einen Batteriespeicher, der Frequenzstützung über Regelleistung bereitstellt und zusätzlich Blindleistung zur Spannungshaltung liefern kann. Dadurch entstehen Erlöse aus Systemdienstleistungen und weniger netzseitige Restriktionen am Anschluss.
Bezug zu verwandten Themen:
- Regelleistung: zentrale Form der Systemdienstleistung für Frequenzhaltung.
- Power Quality (Netz- und Spannungsqualität): Teil des SDL-Wertstapels rund um Spannungsqualität und Störungen.
- Stromfrequenz (50 Hz): wichtigste Zielgröße für Stabilität; viele SDL sind direkt darauf ausgerichtet.
- Dispatch & Redispatch 2.0: Engpassmanagement ist eine systemkritische SDL, bei der flexible Anlagen gezielt eingesetzt werden.